rskom Newsletter · 22. Juni 2026
Fünf Minuten. Dann ist Schluss.
Warum sich Führung gerade dann zeigt, wenn ein Gespräch hart wird.

Mir ist diese Woche eine Zahl hängengeblieben, die ich nicht mehr losgeworden bin.
40 Prozent aller Kündigungsgespräche dauern unter fünf Minuten. 63 Prozent sind nach spätestens zehn Minuten vorbei. Nur jeder Dritte darf überhaupt seine eigene Sicht darlegen. Und nicht einmal die Hälfte fühlt sich dabei respektvoll behandelt.
Das stammt aus dem Kündigungsreport 2026 der HRworks GmbH, einer Befragung von über 6000 Beschäftigten. Deutsches Sample, kein Schweizer Datensatz. Aber Hand aufs Herz. Glaubst du, bei uns sähe es grundlegend anders aus?
Die schnelle Antwort lautet, das Ganze müsse einfach empathischer werden. Und genau da wird es für mich spannend. Denn können wir alle empathisch sein? Oder merkt das Gegenüber sofort, wenn jemand Empathie nur spielt?
Ich behaupte, Empathie lässt sich nicht spielen. Wer sie nicht echt empfindet, bei dem bleibt auch nach hundert Übungsgesprächen ein Rest Schauspiel, den der andere spürt. Das ist die Krux mit der intrinsischen Motivation. Sie lässt sich nicht antrainieren. Und jetzt etwas provokant. Nicht jede Führungskraft ist für so ein Gespräch gemacht, egal wie viel sie übt.
Das ist kein Grund zu resignieren. Es ist ein Grund, ehrlich hinzuschauen, wer in deinem Team diese Gespräche wirklich führen kann und wer nicht. Das ist führbar. Und genau dort kommen die Motive ins Spiel.
Ich habe selbst Kündigungen aussprechen müssen. Mein Anspruch war immer, es authentisch und ehrlich zu machen und so empathisch, wie ich es ehrlich konnte. War es für das Gegenüber schön? Nein. Das war es nicht. Aber respektvoll.
Und das ist der Punkt, den ich lange gebraucht habe zu verstehen. Empathie macht so ein Gespräch nicht angenehm. Sie sorgt dafür, dass der andere sich gesehen fühlt, während etwas Hartes passiert.
Menschen erinnern sich nicht an die Kündigung. Sondern daran, ob sie dabei noch Mensch sein durften.
Genau hier zeigt sich, ob jemand wirklich führt oder nur verwaltet.
Herzlich
Riccardo
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