rskom Newsletter · 27. August 2026

Die ehrlichste Absage des Jahres

Warum Überforderung selten an den Menschen liegt und fast immer an der Summe.

Miriam Soliva
Miriam Soliva
Leiterin rskom academy

Diese Woche kam eine Absage. Ein Personalverantwortlicher eines Finanzinstituts schrieb uns, es liefen bei ihnen bereits sehr viele Initiativen. Ein weiteres Thema sei nicht möglich, die Führungspersonen und Mitarbeitenden wären schlicht überfordert.

Mein erster Impuls war Enttäuschung. Dann habe ich den Satz ein zweites Mal gelesen. Er ist ehrlicher als die meisten Zusagen, die ich bekomme.

Ich habe selbst lange in einer Bank gearbeitet. Ich kenne den Moment, in dem drei Programme gleichzeitig ausgerollt werden und jedes davon für sich sinnvoll ist. Niemand macht etwas falsch. Und trotzdem sitzt am Ende ein Team da, das nur noch nickt.

Das Unangenehme daran ist, wie wir mit dieser Überforderung umgehen. Wir behandeln sie als Eigenschaft der Menschen. Ein Kurs zu Resilienz, ein Training in Selbstorganisation, eine App für Achtsamkeit. Alles sagt im Kern dasselbe. Du musst besser damit umgehen. Dabei ist es keine Charakterfrage. Wie viel gleichzeitig läuft, entscheidet jemand. Und wer es entscheidet, kann es auch anders entscheiden.

Und noch etwas wird dabei übersehen. Überforderung verteilt sich in einem Team nie gleichmässig. Wer Ordnung und Klarheit braucht, kippt deutlich früher als jemand, der von Neuem lebt. Wer die Antriebe seiner Leute kennt, sieht deshalb ziemlich genau, wen die vierte Initiative noch trägt und wen sie bricht. Ohne dieses Wissen bleibt nur raten.

Und hier schliesst sich ein Kreis, der mich seit Jahren beschäftigt. Eine Initiative, die nicht weiss, was die Menschen im Haus trägt, wirkt nicht. Sie wird sauber vorbereitet, ausgerollt, gemessen. Und sie verpufft. Was darauf folgt, ist selten die Frage nach dem Warum. Meistens ist es die nächste Initiative.

Je weniger klar ist, was die eigenen Leute wirklich antreibt, desto mehr Programme braucht es für dasselbe Ziel. Und je mehr Programme laufen, desto weniger Luft bleibt, um überhaupt einmal hinzuschauen.

Das ist kein Vorwurf an den Absender der Absage. Im Gegenteil. Es ist der Grund, warum ich seinen Satz so ernst nehme.

Wie viele Initiativen laufen bei euch gerade gleichzeitig? Und wann hat zuletzt jemand entschieden, eine davon zu stoppen?

Eine kleine Übung für die nächste Führungssitzung. Jede Person schreibt aus dem Kopf auf, welche Initiativen im Haus gerade laufen. Dann vergleicht ihr die Listen. Wenn die Führung untereinander schon kein gleiches Bild hat, hat das Team erst recht keines. Und dann ist die ehrlichste Frage nicht, was ihr als Nächstes startet, sondern was ihr zuerst beendet.

Ich wünsche dir eine Woche, in der du etwas weglässt.

Herzlich
Miriam

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Wer hinter dem Newsletter steht

rskom ist eine Beratung aus Chur für Führung, Motivation und Passung im Team. Riccardo Schmid und Miriam Soliva arbeiten mit Unternehmen daran, sichtbar zu machen, was Menschen wirklich antreibt — bevor daraus Fehlbesetzungen oder stille Kündigungen werden. Dieser Newsletter ist der kurze Auszug daraus, alle zwei Wochen. Mehr über rskom